150/11 Carsten Klauer, Geschäftsführer der POWER-Gruppe, im Interview | 16.05.2011

Das Sicherheitsgewerbe steht oft und schnell in der Kritik. Lohndumping, mangelnde Ausbildung usw. bringen den auftraggebenden Veranstalter schnell in die Bredouille, und letztlich auch in die Haftung. eventfaq befragt dazu Herrn Carsten Klauer der POWER-Gruppe.

 

Geschäftsleitung - Carsten Klauer„Überlassen Sie Sicherheit nicht dem Zufall“, das ist ein Motto der POWER-Gruppe. Dafür stehen über 1.000 fest angestellte, hauptberufliche Mitarbeiter an 11 Niederlassungen in Deutschland und einer Niederlassung in Griechenland. Die POWER-Gruppe ist unter anderem im Personen-, Werk- und Objektschutz und Veranstaltungs- schutz tätig und verfügt über ein Netzwerk von Fachleuten aus verschiedenen Bereichen. Mit einem weiteren Tochterunternehmen (Zander & Mielke GmbH) sichert die Gruppe hochwertige Objekte mit entsprechender elektronischer Sicherheitstechnik ab.

 

Wir sprachen mit Carsten Klauer, einem der beiden Geschäftsführer des inhabergeführten Unternehmens mit Stammsitz in Hamburg.

 

eventfaq: Herr Klauer, wieso gerade Sicherheit? Es gibt doch auch weniger gefährliche Berufe?

Klauer: Es gibt sicherlich mehr gefährlichere als weniger gefährlichere Berufe im Vergleich zur Sicherheitsbranche. Der Grund hierfür ist, dass wir durch unsere konzeptionelle Vorarbeit und durch qualifizierte Auftragsdurchführung bereits ein gewisses Maß an Gefährdungspotential herausnehmen können.

 

eventfaq: Was zeichnet einen guten Sicherheitsdienst aus?

Klauer: Die Herangehensweise an die Aufgabe. Oder noch einen Schritt zuvor: Nimmt man einen bestimmten Auftrag überhaupt zu den Bedingungen an, oder ist die Auftragsdurchführung schon zuvor zum Scheitern verdammt, weil z.B. der Kräfteansatz zu knapp bemessen ist. Zur erfolgreichen Auftragsdurchführung zählt also in erster Linie die Erstellung einer Sicherheitskonzeption mit Analyse des Gefährdungspotentials, der Schwachstellen, der möglichen Gegenmaßnahmen und Erfassung/ Umgang des Restrisikos. Zur erfolgreichen Umsetzung des Auftrags ist dann eine qualifizierte Sicherheitsmannschaft mit entsprechender Organisation und Ausstattung erforderlich. Wenn trotz allem Fehler passieren, zeichnet sich ein qualifizierter Sicherheitsdienst durch den ehrlichen Umgang mit Fehlern und dem Einleiten von schadensminimierenden Maßnahmen aus.

 

Selbstverständlichkeiten sind dann noch Einhaltung der gesetzlichen und tariflichen Bestimmungen, Einsatz eigener Mitarbeiter und höchstens zur Spitzenabdeckung Einsatz eines Subunternehmens mit gleichzeitigem Ausschluss des Einsatzes von Sub-Subunternehmen sowie Verpflichtung zur Einhaltung aller gesetzlichen und tariflichen Bestimmungen.

 

eventfaq: Woran kann ein Veranstalter, der einen Sicherheitsdienst beauftragen möchte, erkennen, ob es sich um einen „guten“ oder „schlechten“ Sicherheitsdienst handelt?

Klauer: Das beginnt schon mit der Überprüfung der gesetzlichen Grundlagen: Liegt eine Gewerbeerlaubnis nach § 34a Gewerbeordnung vor? Sind die Sicherheitskräfte entsprechend unterrichtet oder verfügen über die vorgeschriebene Sachkunde?

Des Weiteren:

Durch das Einholen von unterschiedlichen Referenzen, die auch überprüft werden sollten. Durch die Überprüfung der Leistungsfähigkeit in Bezug auf die Größenordnung: Der Einsatz von Subunternehmen sollte von vorn herein ausgeschlossen werden. Durch Prüfung von Verbandszugehörigkeiten (insbes. BDWS), Zertifikaten (z.B. nach DIN 77200). Als „Highlight“ in diesem Bereich: Verfügt der Sicherheitsdienst über einen Fachplaner für Veranstaltungsschutz nach VABEG? Ist er TÜV-zertifiziert?

 

Das Thema ließe sich noch endlos weiter vertiefen, das waren nur einige der wesentlichen Punkte.

 

eventfaq: Inwiefern spielt der Preis eine Rolle?

Klauer: Es entstehen Kosten für die Vorbereitung der Sicherheitsmaßnahmen, evtl. sogar schon für die Planung und Konzepterstellung nach VABEG. Dann kommen die Personalkosten hinzu in Form des Tariflohns und bei qualifizierten Kräften mit weiteren Zulagen und mit Lohnnebenkosten – multipliziert mit der Anzahl der Sicherheitskräfte und der Einsatzstunden. Schließlich müssen die Organisationskosten / Führungskräfte, die Pausenablöser und ggf. die Eingreifreserven, die Kosten für die Technik und Ausstattung kalkuliert werden. Hinzu kommen der Verwaltungsaufwand (Personalabteilung etc.) und der Gewinn. An welcher Stelle ggf. gespart werden kann, ist abhängig von der Art und dem Gefährdungspotential der Veranstaltung – aber auch von den darüber hinausgehenden besonderen Anforderungen des Auftraggebers. Das bestimmt letztendlich den Preis.

 

Wir haben die Erfahrungen gemacht, dass erfahrene Veranstalter bereit sind, auch einen höheren Preis zu akzeptieren, wenn er sich dann auch auf eine hoch qualifizierte Durchführung verlassen kann. Ein schlechter Sicherheitsdienst ist im Falle von Vorkommnissen immer der teurere.

 

eventfaq: Wann ist für Sie eine Veranstaltung „sicher“?

Klauer: Bei Vorlage eines qualifizierten Sicherheitskonzepts (VABEG) und einer entsprechenden Umsetzung gilt eine Veranstaltung m.E. als „sicher“.

 

eventfaq: Ihr Unternehmen betreut auch große Veranstaltungen mit hohen Besucherzahlen. Können solche Mega-Events überhaupt ausreichend sicher sein?

Klauer: Absolut ja, denn häufig gilt auch: Je größer die Veranstaltung, desto professioneller werden auch die Sicherheitsmaßnahmen erarbeitet und desto mehr Sicherheitsvorkehrungen im oben genannten Sinne sind getroffen und desto besser wird im Ernstfall reagiert. Das gilt vielleicht nicht unbedingt für Großveranstaltungen, die nur einmalig und von Amateuren oder Anfängern auf diesem Gebiet veranstaltet werden. Aber häufig fehlt bei kleinen Veranstaltungen die Erfahrung der Veranstalter, es wird an der Sicherheit gespart und auf die falschen Ratgeber gehört. Es steht dann eben die Veranstaltung an sich im Vordergrund und Sicherheitsaspekte finden eher keine oder zu geringe Beachtung. Auch wenn das Gefährdungspotential selbstverständlich deutlich geringer ist, so ist es eben nie zu vernachlässigen.

 

eventfaq: Wie gehen Ihre Mitarbeiter mit der Verantwortung um, die sie bei ihrer Arbeit tragen?

Klauer: Unsere Sicherheitskräfte sind sehr gut ausgebildet und qualifiziert. Sie sind sich ihrer Verantwortung bewusst und arbeiten entsprechend. Wenn sie auf problematische Situationen stoßen die sie sich nicht zutrauen, alleinverantwortlich zu lösen, so können sie auf Führungskräfte zurückgreifen um gemeinsam Lösungen zu finden. Und bei Großveranstaltungen oder solchen mit besonderem Gefährdungspotential verfügen wir über eine speziell trainierte Eingreifgruppe, die schnell zur Unterstützung gerufen werden kann. Es sind also nahezu immer Rückfallebenen geschaffen, die der hohen Verantwortung unserer Aufgabe insgesamt gerecht werden.

 

eventfaq: Kürzlich haben mindestens drei Türsteher einer Frankfurter Diskothek gemeinsam einen Gast so brutal zusammengeschlagen, dass das Opfer verstorben ist. Gerade im Diskothekenbereich kommt es immer wieder zu brutalen Übergriffen gegen die Türsteher, sondern auch von Türstehern gegen Gäste. Was läuft da falsch?

Klauer: In der Türsteherszene kenne ich mich nicht aus. Vielleicht liegt es an der mangelnden Ausbildung der Türsteher, haben wesentliche Themen wie „Deeskalation“ und „Festnahmetechniken“ bei der Ausbildung gefehlt? Ich weiß es nicht. Aber das Gefährdungspotential an sich ist doch sicherlich auch recht hoch in diesem Bereich – aber genau dafür ist eben Top-Professionalität gefordert.

 

eventfaq: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Klauer!

 

Hinweis von eventfaq: Informationen zu dem von Herrn Klauer angesprochenen System VABEG finden Sie hier.





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